Zeugnis des Verbrechens

Zum Gedenken an die grausame Ermordung des Pfarrers und Dekans Willibald Strohmeyer am 22. April 1945 auf dem Heubronner Eck wurde in den Jahren 1946/47 dort eine Kapelle errichtet, die am 31. August 1947 geweiht wurde.
Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, am 22. April 1945, wurde der geschätzte und beliebte damalige St. Trudperter Pfarrer Willibald Strohmeyer von SS-Leuten im Pfarrhaus abgeholt und zum Heubronner Eck verbracht. Dort wurde er durch zwei Genickschüsse hinterhältig ermordet und seine Leiche noch einige Meter weiter geschleift bis zu einem Platz, der zum Ausheben einer Grube geeignet war. Hier wurde der Ermordete notdürftig verscharrt und erst am 6. Mai 1945 nach längerem Suchen entdeckt. Der damalige Vikar und Pfarrverweser Alfons Sieber trug sich danach mit dem Gedanken, an der Stelle des Martyriums von Pfarrer Strohmeyer eine Kapelle zu errichten.
Die Verwirklichung dieser Absicht war jedoch alles andere als leicht. Die französische Militärregierung und der Landrat von Müllheim befürworteten zwar den Plan, die Kirchenbehörde lehnte jedoch den Antrag auf Zuteilung von Baumaterialien wegen zu hohem Aufwand ab. Pfarrverweser Sieber zeigte sich jedoch hartnäckig und ließ nicht locker, jedoch wurde auch von der Militärregierung kein Material zur Verfügung gestellt. Großzügig zeigte sich lediglich die Forstverwaltung, sie war bereit, das nötige Bauholz für eine Gedächtniskapelle bereit zu stellen.
Unvermuteter Gegenwind erhielt das Projekt auch durch die Bewohner des Ortsteils Münsterhalde, die beantragten, die Kapelle in ihrem Ortsteil zu bauen (wohl um sich damit den weiten Weg zur Rotenbuck-Kapelle oder zur Pfarrkirche zu sparen). Hieraus wurde jedoch nichts, denn der Stiftungsrat beschloss, "die Gedächtniskapelle auf der Martyriumsstelle" zu bauen. Die Kirchenbehörde stellte sich jedoch wiederum quer und schlug vor, die Angelegenheit zurück zu stellen, bis die Pfarrstelle St. Trudpert neu besetzt ist. Zwischenzeitlich wurden jedoch mehr als zehntausend Reichsmark für den Kapellenbau zusammen getragen und die Planungsarbeiten weiter vorangetrieben. Auch der Bauplatz wurde in der Zwischenzeit von der Gemeinde Neuenweg erworben und zum Transport des Baumaterials der Weg zur künftigen Baustelle verbreitert.
Trotz des erneuten Negativbescheides des Ordinariats wurde vom Landratsamt im Juli 1946 der Baubescheid erteilt und auch die Kirchenbehörde willigte schließlich "nach heißem Kampf" ein. Nunmehr ging es Schlag auf Schlag; die kirchliche Baubehörde stellte mit der endgültigen Genehmigung auch 20 Sack Zement zur Verfügung; der von Oberbaurat Lorenz gefertigte Bauplatz nochmals geändert und die Genehmigung für den Transport der Granitsteine erteilt. Diese kamen zum großen Teil vom Schlageter-Denkmal in Schönau, das abgetragen wurde. Schließlich wurde im September 1946 an der Stätte, an der Willibald Strohmeyer ermordet aufgefunden worden war, mit dem Bau der Kapelle begonnen, der von dem Münstertäler Baugeschäft Josef Pfefferle ausgeführt wurde. Die Grundsteinlegung erfolgte am 22. Oktober 1946, während die Weihe der doch noch wahr gewordenen Gedächtniskapelle unter großer Beteiligung der Bevölkerung (man sprach von 3000 Menschen) durch Erzbischof Dr. Conrad Gröber am 31. August 1947 in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, unter ihnen auch der damalige Staatspräsident Leo Wohleb, erfolgte.
Auf einer Gedenkplatte, die sich vor dem Kapellenaltar befindet, haben im Jahre 1963 Unbekannte die SS-Buchstaben herausgemeißelt, die im Nachhinein jedoch wieder sichtbar gemacht wurden.
Zur Erinnerung an die Entstehung und den Weihetag der Willibald Strohmeyer-Gedächtniskapelle vor 60 Jahren fand am Sonntag, 2. September 2007, auf dem Heubronner Eck ein Gedächtnisgottesdienst statt, der von Pfarrer Johann Schäfer zelebriert wurde.
(Text: Eberhard Groß)
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